DAS NOIZEMOBIL 2000Die Sportsfreunde Rüsselsheim
Das Noizemobil 2000 Ð Ein Bericht Für alle, die es noch nicht wissen, sei der Widerstand der Bevölkerung gegen den Ausbau noch einmal beschrieben: Es gibt die Bürgerinitiative, die versucht mit Sammelklagen die Eigenheimbesitzer vor ihrem Wertverlust zu schützen. Aktionen bisher: Informationsveranstaltungen, Diskussionsforen, Aufklärungsarbeit, Pfähle bemalen und damit die Grenze des Flughafens abstecken. Die grossen Volksparteien CDU und SPD sagen auch, dass sie gegen die Erweiterung sind. Aktionen bisher: Worthülsen, Lärmmessungen bei West Ð Wetterlage, vielen Dank für den aufopferungsvollen Kampf. Die Liste Rüssel versucht als Mitveranstalter der ãFuck the FAG Paradeã auch Leute für den von ihnen aufgebauten kulturellen Widerstand, der von Kurzweil, Kreativität und Spaß geprägt ist zu begeistern, die sich im Augenblick noch keine Gedanken über die Gestaltung ihres Wohnumfeldes machen. Aber wann beginnen denn die Schlafhauben von Schülervertretungen, Junge Christen und was es da noch so alles gibt, da endlich einmal mitzumachen? Warum gibt es eigentlich Schüler? Damit der CDU die Wähler nicht ausgehen. Vor der Playstation, dem Internet und der Bravo Ð Girl zu sitzen ist eh geiler, als den Verstand einzuschalten und sich zu fragen, was hier in den nächsten Jahren über unseren Köpfen los sein wird, ein Dank an die pflegeleichte Jugend. Ihr seid spitze. Und dann gibt es noch die Sportsfreunde. Die Sportsfreunde sind im Auftrag des Guten unterwegs. Wo das Gute ist, gibt es auch das Böse und das Böse ist in diesem Fall der Flughafenausbau. Es gab auch früher schon einige Sportsfreundeaktionen. Dies waren unter anderen die Besetzung des Radios K2R, als da nichts mehr lief, dann gab es in Verbindung mit der Liste Rüssel eine Demonstration gegen die Unterschriftensammlung gegen die doppelte Staatsbürgerschaft. Ein weiteres Highlight war die Spendensammlung in der Rüsselsheimer Fußgängerzone zur Unterstützung der in eine Finanzmisere geratenen CDU. Dieses mal ging es darum, Entscheidungsträger, die nicht in dem Ballungsraum Rhein Main wohnen und somit keinem Fluglärm ausgesetzt sind, mit dem Phänomen Fluglärm zu konfrontieren, damit die Landtagsabgeordneten wissen, worüber sie zu entscheiden haben. Ganz einfach. Außerdem wollen wir eine andere Politik. Wir wollen eine Wirtschaft, die so produziert, dass von unserem Planeten noch was übrig bleibt. Der Ausbau des Frankfurter Flughafens bedeutet Profit scheffeln auf Kosten der Bevölkerung. Das ist nicht hinzunehmen. Hier sind die Erfahrungen der Heimatverliebten Sportsfreunde, die ihren Urlaub nicht in Malle oder Ibiza verbringen, sondern in unserem schönen Hessenland, als politisch motivierte Urlaubsaktion. Die Tour : Dienstag 1.8.: Heppenheim, Erbach, Bad König, Groß-Umstadt Mittwoch 2.8.: Eschborn Donnerstag 3.8.: Offenbach, Seligenstadt, Groß-Krotzenburg, Dreieich Freitag 4.8.: Kassel, Guxhagen Samstag 5.8.: Aussichtsplattform an der Startbahn 18 West Sonntag 6.8.: Bad Homburg Dienstag früh um 04:50 Uhr, bekleidet mit bürgerinitiativen fluglärmabweisenden T-Shirts und arbeitsblauen Jacken trafen sich die Aktivisten der Sportsfreunde vor dem Rathaus ihrer lärmgebeutelten Stadt. Als Protokollant des ersten Tages steht es mir sicher zu, jene namentlich vorzustellen, die sich aufmachten um ihren Unmut über den geplanten Flughafenausbau kundzutun: Jule, Marc der Filmer, Gerd und Axel ( ehemalige Rüssler), Christian (Vorsitzender der Liste Rüssel), Andreas und Michel, das Team der ersten Stunde, begleitet von einem Amateurfilmteam von Sat1, machten sich auf den Weg Richtung Südhessen. Wir fuhren also unbefrühstückt aber mit Kaffee und Kuchen ausgestattet mit unserem VW-Bus los ( Yesse sei Dank). An diesem Tag stand der schön verschlafene Odenwald auf dem Programm. Heppenheim, Erbach, Bad König und Groß-Umstadt waren in der Hessenkarte mit Aufklebern der Namen politischer Entscheidungsträger versehen, denen Fluglärm aus der Konserve vorgespielt werden sollte. Die Autobahnfahrt verlief heiter und ohne besondere Vorkommnisse. Hie und Da überholte uns mal von rechts, mal von links so ein warnblinkendes Sat1-Auto, ein dickes Objektiv glotzte uns an und trotz der morgendlichen Stunde sorgten diese Manöver fast für einen rekordverdächtigen ã5Uhr-morgens-Stauã. Spektakulär muß die Anfahrt auf dem Schneidetisch ausgesehen haben, war naturgemäß aber nicht in der 1:30-Sendung unterzubringen. Na da gibt's auch interessanteres: So die Fahrt hinab in den Heppenheimer Kessel um kurz nach sechs. Es war zwar noch stockfinster, aber erste Anzeichen eines vollkommenen Sommertages vermittelten die sonnenaufgangsrot - getränkten schlierigen Kondenswasserspuren im Heppenheimer Tälchen. Angekommen in Heppenheim beklebten wir das Fahrzeug mit den gelben NEIN - Plakaten, montierten den Lautsprecher auf dem Dach und fuhren gemächlich zum ersten Ortstermin. Als wir dann diesen Fluglärm (übrigens original Fluglärm aus dem Rüsselsheimer Wald) mit 90dB/A gegen die Hauswand von Herrn Lennert ( CDU) schmetterten, hatten wir eines mit dem Hr1 Reporter und Sat1 gemeinsam: Die aufkeimende Frage, ob diese scheiß Ortsdurchfahrtstraße nicht einfach viel lauter war? Absurd genug war die Situation, mit dem Lärmmeßgerät auf der Straße zu stehen und darauf zu warten, dass dieser Mensch sich endlich mal gestört fühlt. Vergeblich! In Heppenheim herrscht entweder absolute Ignoranz vor oder die Heppen sind noch nicht ausreichend auf Fluglärm konditioniert.In Erbrach sah es schon anders aus. Hier interessierte sich eine älterer Passant für unsere Aktion. Neben diesem weniger objektiven Nachbarn (wegen seiner Schwerhörigkeit) fand auch schon bald die Polizei Interesse an uns, dem Lautsprecher und ganz besonders an unserem selbstgebackenen Kuchen. Frau Verl, die CDU - Landtagsabgeordnete, suchte dann auch nach 20 Minuten Dauerbeschallung unsere Nähe (Nähe deshalb, weil sonst keinerlei Gespräch möglich gewesen wäre). Die ehemalige Rüsselsheimerin empfindet Fluglärm als etwas, an das man sich ja gewöhnen kann, was sie uns, der Presse und auch Sat1 frech entgegenhielt. Gewinnbringend war an diesem Zwischenstopp nur eines: Die drei anwesenden Polizeibeamten nahmen sich prompt etwas Zeit für uns und begleiteten uns zum Schutze unserer spontanen Versammlung ( Laut Versammlungsrecht muss dies so sein - aber woher wussten die von uns?...) zum nächsten Etappenpunkt. In Bad König stand unsere SOKO Lärmgegner schon vor dem Haus des Landtagsabgeordneten. Irgendwie hat sich das als praktisch herausgestellt, wir mußten nur immer der Polizei folgen, wenn sie uns nicht gerade folgte. An diesem Standort hatten wir wohl den freundlichsten Empfang, der SPD -Landtagsabgeordnete stellte sich als Ausbaugegner heraus, die Polizei war heiter gelaunt, verabschiedete uns gar mit den Worten: Love, Peace and Happyness. Wir bekundeten kurz unsere Enttäuschung darüber, am nächsten Einsatzort mit, uns bis dato unbekannten Kollegen aus Darmstadt vorlieb nehmen zu müssen, bevor wir uns bei Leberkäse und Mayonnaise mit etwas Kartoffeln abseits des stillen Örtchens (Bad König) eine kurze Mittagspause gönnten. Schon 30 Minuten später stand der Termin mit Radio FFH in Groß - Umstandt. Der Weg nach Groß - Umstadt war gesäumt von unauffällig aus Hofeinfahrten und Sackgassen ausfahrenden uniformierten Polizeifahrzeugen. Sie folgten uns immer nur kurz, sozusagen bis die Kollegen übernahmen. Hmm! Was auch immer das bedeuten mochte? Ich fuhr rechts ran und fragte nach dem Weg. Obwohl er anschließend vor uns an Ort und Stelle war, verneinte dieser Beamte meine Frage vereint mit höchst unfreundlicher Ignoranz. Im Pilgerweg folgte dann doch noch die vermeintliche Höflichkeit. Ein ziviler Mensch winkte uns in die Einfahrt des Anwesens von Herrn Dörr, der wiederum mit seiner Tochter dem Geschehen amüsiert beiwohnte. Ein Mensch, dem es aufgrund seiner massigen Erscheinung gewiß zuzutrauen wäre, dass er diesen Flughafen auch alleine ausbaut, redet auf uns ein. Er sagt etwas von verbotener Veranstaltung. Bewegung kommt ins Spiel. Es wird laut und sofort wieder leise. Für nur drei Sekunden erklang Fluglärm aus den Lautsprechern, schon hatte einer der Beamten gewaltsam das Gerät zum Schweigen gebracht. ãSicherstellenã hören wir ihn nur ständig rufen (Schaum war keiner vorm Mund zu sehen). Wie sich kurz darauf rausstellte meinte er unseren Lautsprecher. Wie ließen uns dann darüber aufklären, dass wir ohne Genehmigung keine Lärmdemonstration veranstalten dürfen. Landtagsabgeordneter Dörr lud uns dann in seinen Garten ein, um die ãVeranstaltungã dort zu machen. Auch das verbot uns der Kriminaloberrat. Dieser Lärm, der immernoch unseren Rüsselsheimer Fluglärm simuliert, ist verboten. Er ist der Ansicht, (und die hat er vermutlich von ganz oben herunterdiktiert bekommen - nach unseren Informationen gab es zu diesem Zeitpunkt schon eine Verfügung des Regierungspräsidiums, unsere Veranstaltung zu unterbinden) dass jener Lärm, den wir verursachen wollen bösartig ist und deshalb untersagt werden muß. Und dies zu einer Tageszeit, in der jeder nach Lust und Laune Lärm machen darf, solange es kein politisch motivierter Fluglärm ist. Nachdem auch der Reporter von FFH unzureichende Antworten auf diese spontane unkontrollierte Polizeiaktion bekommt, beginnen die Verhandlungen. Es geht zu, wie auf dem Istambuler Basar. Keiner kannte sich anscheinend mit den Statuten zur Sicherheitsverwahrung von Fluglärmsimulationsgeräten aus. Erst meinte der KOR (Kriminaloberrat), dass wir erst in drei oder vier Tagen die Anlage zurück bekämen. Diese Option war für uns nicht hinnehmbar, denn wir wollten ja mittwochs zu Roland K. aus E.. Dann heißt es, man könne den Lautsprecher sofort wiederbekommen, wenn im Polizeibezirk DA keine weiteren Demonstrationen mehr erfolgen. Daran kann sich doch im Laufe des Gesprächs keiner mehr so recht erinnern. Der KOR bietet an, den Lautsprecher dann herauszugeben, wenn eine Genehmigung für eine andere Veranstaltung vorliegt. Wir kamen dann schnell zu dem Schluß, dass es Zeitvergeudung wäre, weiter mit den Leuten zu diskutieren. Wir verabschiedeten uns freundlich bei dem KOR, übrigens mit riesigen offenstehenden Hosenlatz, entschuldigten uns bei Herrn Dörr, dass wir nicht dazu kamen mit ihm über Flughafenausbaupläne zu reden und machten uns schnell auf den Weg Richtung Heimat, um die erforderliche Genehmigung zu besorgen. Zuhause angekommen ging der eigentliche Streß erst los. Telefon und Fax standen bis in die Abendstunden nicht still. Die Presse mußte für den kommenden Tag koordiniert werden, eine Genehmigung für eine Veranstaltung in Eschborn beim Ministerpräsidenten Koch mußte angefragt werden und das Ordnungsamt musste uns eine Genehmigung ausstellen für eine Veranstaltung in Rüsselsheim, damit wir unseren Lautsprecher in Darmstadt abholen konnten. Gedankt sei an dieser Stelle dem zuständigen Dezernenten Herr Jo D. aus G., sowie seinem engagierten Vorzimmerassistenten Stefan D, die dies unbürokratisch möglich machten. Dann das Holen der Lautsprecher aus Darmstadt. Am Abend des ersten Tages gab es eine kurze Pressekonferenz mit Genehmigung zum Abspielen des simulierten Fluglärms und zu später Stunde einen Schlachtplan für den Tag in Eschborn...soviel von Michael S. vom Dienstag! Anmerkung der Red.: In Groß Umstadt, das unter der Verwaltung der Darmstädter Polizei steht, erfolgte also der Zugriff der Ordnungshüter und unsere Lautsprecheranlage wurde in Sicherheitsverwahrung genommen. Dabei wurde der Anlage von Polizeiseite aus ein Defekt zugeführt, dessen Schaden min. die Summe DM 50,- beträgt. Die FAZ berichtete unter Quellenangabe Polizeipräsidium Darmstadt, dass der dortige Landtagsabgeordnete Dörr nicht zu Hause war und dass Nachbarn wegen der Lärmbelästigung durch das Noizemobil die Polizei benachrichtigt haben. Die Lärmzeit betrug 10 Minuten. Daraufhin ist eine Polizeistreife aus Dieburg gekommen und beschlagnahmte die Lautsprecheranlage. In dieser Darstellung ist der Wahrheitswert sehr gering. Der Landtagsabgeordnete war zu Hause, die Polizei stand dort auch schon, die Lärmzeit betrug höchstens drei Sekunden. Die Sportsfreunde werten die falsche Unterrichtung der Presse in der frühen Phase der Aktion als einen bewußten Versuch, die Aktion negativ in der Öffentlichkeit erscheinen zu lassen, indem man alle immer friedlichen Beteiligten, die ja im Auftrag des Guten unterwegs sind, kriminalisiert. Wie aus der Presse zu erfahren war sind auf Grund dieses Vorfalles drei Verfahren ( Nötigung eines Staatsorgans, Verstoß gegen die Lärmverordnung, Verstoß gegen das Versammlungsrecht )gegen die Sportsfreunde eingeleitet. Die Sportsfeunde warten gelassen ab. Der Mittwoch wird präsentiert von Andreas S. Mittwoch 2.08. 2000 05.00 treffen der Sportsfreunde, dem Hessischen Rundfunk ( Hessenschau ), ein Radiomiezchen von RPR. Zu uns gesellten sich noch Aktivisten aus Flörsheim und Demonstranten der Bürgerinitiative gegen den Flughafenausbau aus Rüsselsheim, sowie Herr Schreiber, der Sensationsreporterreporter des Rüsselsheimer Echo. Klares Ziel Roland Koch, Lieberweg. Nachricht per Fax, Aktion ist nicht genehmigt, da der simulierte Fluglärm eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt. So schreibt uns der Bürgermeister und ehemaliger Puffbesitzer Herkströter ( CDU ): Die Versammlung wird gem. §15 Abs. 1 Versammlungsgesetz wegen der zu erwartenden Gefahren verboten. Begründung: Durch die geplante Veranstaltung werden die Anwohner durch erhebliche Lärmimissionen ( kein Schreibfehler ) mutwillig beeinträchtigt. Hierdurch wird die öffentliche Sicherheit und Ordnung unmittelbar gefährdet. Es war uns bewußt, dass die Sache verboten ist und wegen den Erfahrungen des Vortages entschieden wir die Ordnunghüter nicht unnötig zu provozieren. Taktik war es also, die Lautsprecheranlage im Bus zu lassen, in Zweiergruppen zum Roland zu laufen, damit wir wengen des Versammlungsverbotes keine Versammlung darstellten und dort wollten wir die affige Verbotserklärung von dem Bürgermeister aus Eschborn verlesen. Pünktlich ging es los, erst einmal tanken bei Weilbach, dann weiter dem Sonnenaufgang entgegen bei fetter Mucke und Interviews mit der Radiomieze im Bus. Es läuft wie geplant. Das Noizemobil stellten wir in sicherer Entfernung ab und gingen Paarweise in Richtung der Strasse, in der wir Roland K. vermuteten. Dann trafen wir auf die von der Polizei errichtete Strassensperre. Ein Polizeihauptkommisar erteilt uns sogleich ein Wegeverbot und so wurden wir daran gehindert, die Stasse zu betreten. Allmählich beginnen die Sportsfreunde sich in Ihrem Erfolg zu suhlen, denn die Polizei will uns in Sicherheitsverwahrung nehmen, zwei Kamerateams filmen, das Radiomiezchen interviewt ahnungslose Passanten, vier Mannschaftbusse stehen für unseren Abtransport bereit, die mit zwei Fahrzeugen angerückte zivile Polizei in kugelsicherer Weste diskutiert mit den Flörsheimern über das aufgeklebte Kannabisblatt auf dem Fahrzeug der zivilen Einsatzkräfte. Der noch mit dem Schlaf ringende Eschborner Aubaubefürworter und Bürgermeister Herkströter freut sich auch, dass in seinem Kaff endlich mal die Post abgeht. Auch der Fotograf von der Dpa freut sich über seine Bilder, die wir dann in der Bildzeitung bewundern konnten. Wir lesen die Erklärung vor und verpissen uns. Etwas sauer war der Mensch vom Hessischen Rudfunk. Er hat sich ein Kamerateam für viel Geld eingekauft und hätte damit ganz gerne unsere Verhaftung gefilmt. Unsere Aktion war ihm zu lasch. Uns eigentlich auch, aber wir brauchten unser Noizemobil dringend für unsere medienträchtigen Termine an den nächsten Tagen. Also schlug er vor, noch weitere Landtagsabgeordnete zu besuchen, was wir aber dankend ablehnten. Wir einigten uns darauf, noch einige Bilder am Stadtrand Wickers für Hessens Fernsehen zu machen. Auch der Staatsschutz wollte dabeisein und schickte uns zwei großlimusienige schwarze Fahrzeuge hinterher. Sehr unauffällig. Wir versuchten dann mit den Herren, die selbst bei Regen und Gewitter Sonnenbrillen tragen in Wicker ins Gespräch zu kommen, um zu fragen, ob wir fürs Fernsehen unsere Lautsprecheranlage demonstrieren dürfen, mussten allerdings feststellen, dass diese Herren blind, taub und unkommunikativ sind. Wir brauchten unsere Anlage allerdings nicht einzuschalten, da startende echte Flugzeuge über dem Bus für uns den O Ð Ton bereitstellten. 03. August 2000, 6:00 h morgens - 1. Stunde später als gewöhnlich - das Noize Mobil rollt gemächlich der Sonne entgegen. Das Ziel - Offenbach! Die Stimmung ist großartig - wir haben nichts zu befürchten, denn wir sind im Auftrag des Guten unterwegs und außerdem haben wir es schwarz auf weiß - heute dürfen wir ganz legal eine volle Stunde das Häuschen von CDU Abgeordnetem Grüttner beschallen! SPD - Abgeordnete H. Habermann, die aus selbstprofilierungstaktischen Gründen die Sportsfreunde für einen Vormittag gebucht hatte und T. Al Ð Wazir, Fraktionsvorsitzender von den Grünen, haben sich sportsfreundlich gezeigt und erwarten uns mit einem süßen Lächeln. Frau Habermann ist übrigens eine von ganz wenigen Leuten aus der SPD Ð Fraktion, die gegen den Ausbau sind. Wir schenken ihnen eine Sonnenblume und freuen uns über die örtliche Polizei, denen Andreas Kuchen genauso gut mundet wie den TV - Fritzen von RTL. Nachdem wir unsere Liegestühle aufgestelt, uns sommerlich schick gemacht und unseren ständigen Begleiter - unseren heimatlichen Geräuschpegel auf 70 dezibel gebracht haben, besucht uns dann endlich auch Herr Grüttner. Sichtlich enttäuscht, dass wir ihm nicht in sein Häuschen folgen wollen, sondern unser Sommerlager nur ungerne verlasen, gesellt er sich mißmutig - mit einem gequälten Lächeln zu uns. Die folgende Diskussion ist eher mühselig Ð klar, bei dem Lärm!!! Seine Argumente wie erwartet blödsinnig, eigennützig und blablabla... Haben trotzdem gerne seinen Kaffee getrunken. Danke ... Nachdem wir einen sonnigen Vormittag bei Seligenstadt verbracht haben, endet unsere Reiseroute bei CDU Abgeordneter Hermann. Ein extrem sympathisches Beispiel für Überfettung. "Endlich mal einer, der auch aus sich rausgeht." Unseren Einwand das Ozonloch betreffend, tut er als emotionale Schafsscheiße ab. Aber immerhin Kaffee gibt es auch und amüsant ist es allemal. Als wir alle wieder im Bus sitzen und in Richtung heimatlichen Hafen rollen, wissen wir, dass wir dem Guten wieder ein wenig näher gekommen sind und den Vetretern des Bösen hoffentlich diesen Tag versaut haben. Viele sportsfreundliche Grüße von Jule Hier der Freitag von Florian 04.08.00 Am vierten Tag sind wir alle unheimlich geschlaucht. Unser Fähnleinführer verpennt grandios, wir also warten ziemlich wortlos bei Kaffee und rauchen. Gerd kommt und ist schon früh am Morgen bester Laune. Das Mobil bewegt sich Richtung Norden, Kassel, mal locker 2 _ Stunden Fahrt. Als das Koffein anschlägt, wird die Stimmung der Besatzung besser. Aus dem Cockpit dringen einige Gesprächsfetzen; die paramilitärische Planung für den Widerstandskampf. Wir tauschen Ideen aus: Zehn Sportsfreundekoffer wahllos in den Terminals verteilt, Wetterballons auf den Abflugrouten starten lassen, Schalterhallen verwüsten oder die zentrale Kerosinpipeline sprengen. Es kommt richtiges Bader-Meinhof-Feeling auf, und unsere Augen fangen an zu glänzen. Da wir aber noch nicht ganz bereit sind für den Untergrund, einigen wir uns konsensual auf weiteren Lärmterror, ganz legal - wir haben mittlerweile für alles Genehmigungen. Kassel, Scheiße, wir haben keine Ahnung wo wir hin wollen. Also erstmal rauchen und überlegen. Nach einer Stunde Irrfahrt haben wir unser Ziel erreicht. SPD-Geschäftsstelle. Ein dreistöckiges Haus bietet uns bereitwillig seine Vorderfront dar. Die sechs Bullen und der Mann vom Ordungsamt sind richtige Genehmigungsfetischisten, wir haben ihre Bedürfnisse aber schnell befriedigt und können loslegen. Alle Mann auf Gefechtsstation, Ausrichten, Feuer! Die Schallkanone stelle ich auf 105 statt 85 Dezibel. Die sitzen schließlich hinter ihren Fenstern und sollen ja ordentlich was mitbekommen. Verschämte Blicke aus den Fenstern, zwei dämliche und aussageunwillige Geschäftsführer sind der einzige Kontakt. Und dann, ja wir haben gewonnen, Kapitulation, ein dutzend verschreckter Sozis verlassen wortlos ihr arg zerbombtes Hauptquartier. Na ja, könnte auch sein, daß gerade Mittagspause war. Mit vor Stolz geschwellter Brust lassen wir uns von einer Polizeieskorte zur nächsten Station fahren. Den Exil-Bayer Zumbrägl haben wir gerade verpaßt. Kurze Bandbesprechung, egal, wir machen unseren Gig, gibt ja genug Nachbarn hier. Dann kommt die Ehefrau raus und wir agitieren los. Peng, Krach, Bumm. Die Argumentationskavallerie überrollt die arme Frau "Ich weiß von dem Thema nichts", sagt sie schließlich etwas weinerlich "mein Mann spricht nicht mit mir". Puhh, das war ein Schlag in die Magengrube, mit so was hatten wir nicht gerechnet, uns voll auf der emotionalen Schiene zu kommen. Sie erwischt uns auf dem falschen Bein und wir geben klein bei. Als wir weiterfahren, sehe ich aus dem Rückspiegel in ihr altes, verwittertes Antlitz, ihre gebrochenen Augen und - ja wirklich, kein Mist - sie tut mir schrecklich leid. Schließlich ist sie auch mit einem Arschloch verheiratet, aber andererseit, wer nicht für uns ist, ist gegen uns, basta. Die Revolution fordert nunmal ihre Opfer. In Guxhagen sind logistische Probleme bei der Anfahrt ausgeschlossen, das Kaff hat nur eine Straße. Herr Weinmeister erwartet uns mit offenen Armen. Kaum geparkt, fängt er an sich von seinem Assistenten in allen Lagen mit dem Noizemobil und uns fotografieren zu lassen. Verdammt nochmal, wir haben es geschaft, wir sind Rockstars! Autogramme will er dann doch nicht und das obligatorische Gelaber ist ermüdend. Interessant dagegen waren die Polizisten im Großraum Kassel. Alle waren auf unserer Seite, die meisten allerdings nur, weil sie kein Lust mehr auf Bauzaun-Action haben. Jetzt machen wir Urlaub, ab zum Edersee, das ist ein Katzensprung. Die Fahrt ist recht schön, doch irgendwie irritiert es mich dann doch, daß ich innerhalb einer Stunde zweimal das Schild "Guxhagen 3km" sehe. Die Crew erhält auf Anfrage im Cockpit etwas mürrische Antworten. Okay Jungs, ihr habt das im Griff. Nach zweieinhalb Stunden können wir dann Touristen sein, fahren Gondel und Elektroboot, geben uns das totale Spießerprogramm. Die Rückfahrt macht uns nichts mehr aus, wir haben mittlerweile genug Sitzfleisch. Dummerweise konnte nicht geklärt werden, ob nun die Beatles oder die Stones die besserere Rockgruppe sind. Wer hilft? Bilanz des Tages: 15 Cops, 1 Abgeordneter, 1 Ehefrau, keine Verletzten Hier kommt Gerd mit dem Samstag: die Aussichtsplattform wird am Samstag beschallt. Windmühlen? Zum Angriff!!! Die ãPlane Ð Spotterã( Fahrt doch mal hin, guckt euch die an; die gibt es wirklich! Inklusive Fachgesimpel über Baujahr, Zielflughafen, Fluggesellschaft u.s.w. echt cool!) aus Fulda und Oberbayern werden von mir aufgeklärt, dass ich ihr verhalten als übelsten 3.Welt Ð Lärm - Tourismus empfinde. Die meisten glotzen unbeeindruckt weiter durch ihre Objektive ... vielleicht brennt ja wieder mal ein Triebwerk, und das Photo kann man dann prima an die dpa verkloppen. Der Eismann, dessen Eiswägelchen genau in unsrer Schallschneise steht, ist mit den mickrigen 80 dezibel aus unsrer Tröte auch nicht aus der Ruhe zu bringen. Der ist hier anderes gewohnt. im Anschluß sitzen wir bei Thomas Frickel, trinken Bier und Cola und lassen uns von den Startbahn - Veteranen was von früher erzählen. Dann fahren wir doch nochmal zum Zaun raus. So schönes Abendlicht und Marc braucht noch ein paar Bilder: Stacheldraht, Flutlichtmasten, Eisenstrebe an Eisenstrebe - ach, ist das alles so ordentlich deutsch hier. Fehlen nur noch ein paar ausgemergelte Judenkinder auf der andren Seite vom Zaun. Kein schöner Land... Highlights der Gespräche: "An Lärm gewohnt man sich!" Frau Velte, Erbach "Ihr dürft die Veranstaltung bei mir auf dem Grundstück machen." Herr Dörr, Groß-Umstadt - Antwort des anwesenden Kriminaloberrats Herr B. aus D. "Lärm ist Lärm, ob öffentlich oder privat und das ist verboten." "Ich bin gegen den Ausbau. Die Startbahn West war das schrecklichste meines Polizistendaseins, so was will ich nie wieder erleben." Polizist (Name ist den Autoren bekannt) im Großraum Kassel. "Ich bin strikt gegen die Südbahn, hier ist schließlich mein Wahlkreis" Rüdiger Hermanns, Dreieich Nach einem Einwurf der Sportsfreunde zum Flugverkehr und der Vergrößerung des Ozonlochs "Ihr redet doch nur Schafscheiße" Rüdiger Hermanns, Dreieich "Seien Sie doch gefälligst nicht so emotional" Rüdiger Hermanns, Dreieich "Seien Sie doch nicht so emotional" Prof. Dr. jur. Hamer, Bad Homburg "Das so eine Veranstaltung in Deutschland nicht mehr möglich ist, ist eine Schande und hat mit Rechtsstaat nichts mehr zu tun." Anonyme Passantin auf Radio RPR zum Einsatz in Eschborn "Man muß nun mal Entscheidungen treffen die Menschen schädigen, das ist meine tägliche politische Arbeit" Mark Weinmeister, Guxhagen ãEuer Noizemobil ist aber eine pfiffige Idee" Prof. Dr. jur. Hamer, Bad Homburg Alle Zitate sind natürlich völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Wir haben von der professionellen Presse gelernt. Fazit - Improvisation ist erlaubt. Wir sind keine Medienprofis und wollen es nicht sein. Wenn es heutzutage peinlich ist, sich für seine Rechte, Gesundheit, Vermögen, Heimat und Familien einzusetzen, dann haben wir ein Bedürfnis nach Peinlichkeiten. Da fährt man auch schon mal zur falschen Adresse zu Roland Koch, zumal wir diese Adresse vom Hessischen Rundfunk recherchiert bekamen. - All die Nörgler, Zweifler und Untätigen, die wie die Opas der Muppets-Show auf dem Balkon sitzen und ihren Arsch nicht hochkriegen, können uns mal. - Die Woche hat es gezeigt: ein Miteinander, ein sich Besinnen auf die Grunddaseinselemente ist wichtiger als sich von Wirtschaftsbossen und wirtschaftshörigen Machtpolitikern mit Scheinargumenten über den Tisch ziehen zu lassen. Wir haben Solidarität erfahren und es genossen. Die Jugend besteht nicht nur aus konsumgeilen Individualisten. - Die Lüge lebt fort in denen, die nicht wissen wollen. - Wer von dem Ausbau wirklich profitiert, ist nach unserer Reise und etlichen Gesprächen nach wie vor unklar geblieben. Verschwommen wurde von den Entscheidungsträgern immer angedeutet, es nützt der Allgemeinheit. Das aber hunderttausende Menschen einer massiven Belastung und Zerstörung ihrer Heimat ausgesetzt sind, wird als vertretbares Opfer empfunden. Der simple Gedankengang, daß eine Erhöhung des Gesamtnutzens auf Kosten einer Minderheit legitim sei, zeugt von einem archaischen und zynischen Weltbild der für den Ausbau Verantwortlichen. Das war das entscheidende Ergebnis der Gespräche mit den Landtagsabgeordneten. Es war erschreckend, daß einige Landtagsabgeordnete keinen blassen Schimmer hatten, über was sie eigentlich reden. Wenn man über den Fortgang des Lebens von hunderttausenden entscheidet, sollte man sich wenigstens ein bißchen informieren. Etliche Gespräche mit Bürgern, Polizisten und Verwaltungsangestellten in ganz Hessen zeigte uns, daß die Meinungen längst nicht so einhellig ist, wie es uns die Politik glauben machen will. Wir trafen auf viel Verständnis und Zuspruch. Wir vertreten die Meinung von vielen Bürgern, auch außerhalb unsrer Region. Weiterhin bleibt festzuhalten, dass wir, die Sportsfreunde es jedem empfehlen können, auch einmal Sportsfreund zu werden, denn wir haben in unserer Urlaubsfahrt durch Hessen die politisch motivierte Aktion als sinnvolle Freizeitbeschäftigung wieder entdeckt. Protest bedeutet nicht Verzicht sondern Vergnügen. Wohin wir auch kamen, wurden wir freundlich empfangen. Macht doch auch einmal Urlaub in Hessen. Laßt euch von freundlichen Ordnungshütern an Ihr Ferienziel lotsen. Tauscht euch mit aufmerksamen Vertretern der lokalen Presse aus. Lest euer persönliches Reisetagebuch auf den Regionalseiten der großen Frankfurter Presseorgane nach. Glaubt uns, Sie werden ein Schatzkästlein von kostbaren Erinnerungen mit nach Hause tragen. Sportsfreund sein, heißt glücklich sein. Sei kreativ. Lernt von den Veteranen der Startbahn-West-Bewegung. Die wissen noch, wie man's lustig haben kann. Die Diskussion um einen weiteren Ausbau ist seit Anfang der 80er Jahre abgeschlossen. Die Argumente sind ausgetauscht, die Positionen sind klar. Jetzt heißt es: Handeln! Handeln! Handeln! Beweist, dass es euch noch gibt und gebt es zu: Der Fluglärm und die Zerstörung des Daseins treibt auch euch in den Wahnsinn! Lebt Ihn aus, last`s raus! Werdet Sportsfreund! Nichts was euch wohler täte! All denen, die uns unterstützt haben, durch Spenden, Zuspruch und Interesse, ein fröhliches Sportsfreund sei Dank! Diesmal haben wir uns für das Gute entschieden. Und das Gute steht gegen das Böse. Und das Böse ist der Ausbau des Frankfurter Flughafens. Q.e.d.
»We stand for good. And good stands against evil. And evil is the expansion of the Frankfurt Airport!« Under this slogan, and out of love for their hometown, the Sportsfreunde Rüsselsheim (Russelsheim Sports Friends) started off on a weeklong vacation trip through the Hessian province. The Sportsfreunde are a group of activists who all have close ties to Rüsselsheim and, in spite of pretty adverse conditions, want to continue to live there. Because Rüsselsheim, as one Sportsfreund explained, is neither a particularly beautiful city, nor is it a particularly interesting one, it's really left up the residents themselves to make the most of their living situation there. The day before their departure, the vacation trip was announced in the Frankfurter Rundschau. In the press release, it also said that things were going to get loud. Just as loud as it gets every day at home with the Sportsfreunde in Rüsselheim, where airplanes headed for the Frankfurt Airport thunder over the rooftops of their apartments, one every other minute. Noise levels there have been known to measure around 80 dB/A Ð loud enough to stop any normal conversation dead in its tracks. Since most of the politicians in the Hessian Provincial Parliament only know about airport noise from hearsay, and because it is more or less rare that they should ask affected residents for their opinion, the Sportsfreunde decided to take the initiative into their own hands and pay their parliamentarians a personal visit. For their trip, they transformed an old VW bus into a Noisemobile by installing a rather large portable PA system. With a CD recording of their homegrown flight noise on board, they took off at 4:30 a.m. The first stop was in Heppenheim in the Taunus, at the private address of a representative in the Hessian Parliament who, like most parliamentarians, has chosen to live outside of the overcrowded Rhine-Main area. At 6:00 a.m. on the dot, they turned the noise up to Rüsselsheim levels and waited for the reaction. In this instance, as in further instances, the reaction didn't keep them waiting very long Ð without, however, leading to any concrete results. One representative, for example, clung tightly to her belief that people could eventually acclimate themselves to the noise. That's what she told the television crew from SAT 1 who had immediately joined up with the travellers after seeing the press release in the Frankfurter Rundschau. She also told them that she thought the Rüsselsheimers' campaign was actually quite clever, but that if they really wanted to accomplish anything, well, then this wasn't really the best way to go about it. But then, this is not the only thing the Sportsfreunde Rüsselsheim are doing. Alongside their athletic alignment, they are also active in a political sense in the form of the Rüssel ticket to the Rüsselsheim City Parliament. They are currently enjoying their 10th year in city hall, and the current mayor of Rüsselsheim was elected on their ticket. |
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